Glocken des Nordhäuser Domes

Pfarrgemeinde am Dom
ZUM HEILIGEN KREUZ
Nordhausen am Harz



Die Dom-Türme bergen insgesamt vier Glocken in sich.

Im  Südturm - an  (in)  ihm  befindet  sich  die Turmuhr - läutet  die größte  und zugleich wertvollste Glocke: Die Heilig-Kreuz-Glocke mit einer Masse von 2 t. Gleich
über ihr ist die kleinste Glocke befestigt, die Viertel-stunden-Glocke.  Sie  besitzt  keinen eigenen Klöp-
pel, schwingt also nicht frei, sondern wird von einem externen Hammer jede Viertelstunde angeschlagen.
Jede der beiden Glocken ist über 500 Jahre alt.
 

Im Nordturm  läuten  die  sogenannten Kol-
ping Glocken, die der hl. Mathilde bzw. der Gottesmutter Maria geweiht sind.
Die  Kolpingsfamilie   Nordhausen  leistete
1961/62  den  entscheidenden  Beitrag  für
den Neuguss der           beiden Glocken.
 
Die Töne Cis, E,            und Gis vereinen
   sich zum cis-               Moll-Dreiklang.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Details Kurzform

Bilder und Recherche:
Bruno Sander
Joachim Grabinski

Heilig-Kreuz-Glocke  

Die Heilig-Kreuz-Glocke ist um das Jahr 1480 ge-gossen worden.
Ihre Masse beträgt 2000 kg (ohne Klöppel) und sie verfügt über einen Glockendurchmesser (Unterkan-te) von 1459 mm.
Die reichen Verzierungen machen sie besonders interessant für den Glockenliebhaber.
Am Glockenhals ist in Minuskelschrift folgender Wortlaut geprägt (s.a. Detailfoto):
vox . michi . vox . grata . licite . hinc . que . benigna . vocata . hilf . goth . maria . berad . hilf . us . noet.

Als Trennungszeichen sind zwischen die einzelnen Worte das Bild einer Lilie gezeichnet und eine aus den Wolken reichende, eine Schriftrolle haltende Hand.

Mehrere Bemühungen diese Schrift zu übersetzen, hatten bisher noch zu keinem Erfolg geführt.

Seit dem 22. August 2011 liegt aber - Dank inten- siver Nachforschungen von Herrn Joachim Grabinski die Übersetzung vor und lautet:

Entlockt mir hier die Stimme, die liebliche Stimme, die ich Benigna (die Gütige) genannt werde. Hilf Gott, Maria berate, hilf aus Nöten.(Nähere Erläuterungen siehe unten)

Am Schlagring hat sich der Glockengießer verewigt: Clawes Misner hat mich gegossen.

 

Für uns ist die Glocke von besonderem Interesse, da  sie  durch  vier  große Bilder (hier nur beschrie- ben) auf dem Mantel die alten Patrone und Titel der Domkirche zu verherrlichen und zu verehren sucht:

Bild 1 -  Maria, in der Weise des 15. Jahrhunderts von einer langstrahligen Glorie umgeben, auf einer Halb-sichel stehend, hält das Jesuskind auf dem linken Arm.
Bild 2
- Das Bild des hl. Eustachius, in jugendlicher Haltung, in der Tracht der Mitte des 15. Jahrhunderts. In der linken Hand hält er den bekannten Hirschkopf mit dem Bernwardskreuz.
Bild 3 - Dieses Bild ist ganz bedeutungsvoll für uns. Es zeigt ein mit Edelsteinen besetztes Prozessions-kreuz, das von zwei knienden Engeln gehalten wird. Es ist unzweifelhaft die Nachbildung des Nordhäuser Kreuzes, was auch in dem Tympanon im Kapitelhaus dargestellt wird.
Bild 4 - Im flachem Relief findet sich noch ein kleines Bild
(25 * 20 cm ): Der hl. Bischof Martin mit dem Schwert und Mitra, zu Pferd, wie er einem unten knienden Bettler mitleidig ein Stück seines Mantels übergibt.

 
 Detailaufnahme des Inschriftbandes:   ... benigna vocata hilf goth ...

Foto: J Grabinski

   
Viertelstunden-Glocke  

Die Viertelstunden-Glocke ist mit großer Wahrscheinlichkeit die älteste Glocke des Domes (um 1477 gegossen) und ist am häu-figsten - weit über das Domgelände hinaus - zu hören.

Sie wird viertelstündlich - von der Turmuhr gesteuert – angeschlagen. Dabei wird der ihr ureigenste Ton "F" erzeugt.

Die Masse dieser Glocke beträgt 130 kg und sie besitzt am unteren Rand einen Durchmesser von 637 mm .

Außer einer Inschrift am Glockenhals verfügt die Viertelstunden-Glocke über keine weiteren Verzierungen.


Geschichtliches zum Dom-Geläut
 

Der Dom "Zum Heiligen Kreuz" besaß noch im Jahre 1740 sieben Glocken.


Im Jahre 1823 wurde eine davon von  Friedrich Wilhelm III. an die Kirche nach Friedrichslohra verschenkt.

Eine zweite Glocke war gesprungen und ist 1904 eingeschmolzen worden.

Die daraus entstandene neue Glocke musste 1917 für Kriegszwecke  abgeliefert werden, wie auch schon 1916 eine Glocke, die 300 Jahre alt war, als spätere Kanone "ihren Dienst versah".

 

Aus den Erlösen und unter finanzieller Hilfeleistung der Gemeinde sind 1927 zwei neue Glocken von der Gießerei Gebr. Ulrich aus Apolda bezogen worden.

 

Eine Glocke war zu Ehren der hl. Familie  Jesus Maria Josef geweiht, wog 1285 kg (25,5 Zentner) und hatte den Ton E.

Die lateinische Inschrift lautete übersetzt:

„Im Kriege eingeschmolzen , im Frieden wiederbeschafft im tausendsten Jahre nach Gründung  der Stadt Nordhausen".

 

Die andere Glocke, die St.-Mathilden-Glocke, hatte ein Gewicht von 637 kg (12,5 Zentner) und besaß den Ton Gis und trug die Inschrift:

„Heilige Mathilde, Deutschlands Königin, Doms Gründerin, sei uns Schützerin! Im Jahre 1000 seit Gründung der Stadt 927 - 1927".

 

Alle drei Glocken wurden übrigens seit 1927 elektrisch geläutet. Die Antriebe dazu lieferte die Fa. Rudolf Brambach aus Nordhausen.

 

Die beiden "jungen" Glocken ereilte schon ein paar Jahre später das gleiche Schicksal wie ihre Vorgänge-rinnen. Bereits im Januar 1942 mussten sie abgegeben werden, um daraus Waffen fertigen zu können.

 

Im Jahre 1958 fassten der Kirchenvorstand und die Kolpingsfamilie den Entschluss, zur Jahrtausend-Feier des Domes 1961 eine Glocke anzuschaffen.

Da zu der damaligen Zeit keine Möglichkeit bestand, Bronze für einen Glockenguss aufzutreiben, versuchte man, von irgendwoher eine Glocke zu besorgen, die zu der noch vorhandenen Glocke klanglich passte, was allerdings, trotz mehrerer Versuche, misslang.
 

Auch die Alternative, eventuell Stahlglocken zu erwerben, erwies sich als nicht praktikabel.


Mit großen Mühen gelang es schließlich der Domgemeinde, die vom Bonifatiuswerk Paderborn geschenkte Bronze für zwei neue Glocken in die damalige DDR einzuführen.

Der Auftrag für denn Guss der neuen Glocken  wurde der Firma Schilling übertragen, die schon im Vorfeld der Arbeiten der Domgemeinde mit Rat zu Seite stand.

 

Es wurde beschlossen, das Geläut mit den gleichen Tönen wie die Vorgänger, nämlich mit den Tönen E und Gis zu gießen, um den alten Drei-Klang wieder herzustellen.

 

Die Kosten für die Glocken wurde zum größten Teil von der Kolpingsfamilie Nordhausen aufgebracht

 

Die Weihe der Glocken erfolge allerdings nicht wie vorgesehen zu Jahrtausendfeier des Domes 1961, sondern erst zum Patronatsfest der Domgemeinde, Kreuzerhöhung, im Jahre 1962.


Glockensteckbrief (nach Joachim Grabinski)

 

Glocke 1 (Benigna, Marienglocke)

 

Gießer: Claus Misner um 1480

Schlagton: cis1 -2

Durchmesser: 146 cm

Masse: ~2000 kg

Rippe: mittel
 

 Glocke 2 (Mathildenglocke)

 

Gießer: Schilling (Apolda) 1961

Schlagton: e1 -8

Durchmesser: 126 cm

Masse: ~1200 kg

Rippe: mittel
 

Glocke 3 (Marien- und Nothelferglocke)

 

Gießer: Schilling (Apolda) 1961

Schlagton: gis1 -2

Durchmesser: 99 cm

Masse: ~600 kg

Rippe: mittel

Glocke 4 (Schlagglocke)

 

Gießer: unbekannt, 1477

Schlagton: ~ f1

Durchmesser: 64 cm

Höhe: 34 cm

Masse: ~120 kg

 

Erläuterungen zur Inschrift der Glocke 1 (Benigna, Marienglocke)

 

Ausgangsbasis ist die Inschrift

vox . michi . vox . grata . licite . hinc . que . benigna . vocata . hilf . goth . maria . berad . hilf . us . noet.

 

Die beiden Probleme waren ja, so J. Grabinski, dass 'michi' Dativ ist, und dass 'licite'='ihr dürft' als Imperativ Plural inhaltlich keinen Sinn gibt.

Plötzlich war klar, dass die Zeile in einem sauberen Amphibrachys (Versfuß mit Silbenfolge leicht-schwer-leicht wie z. B. beim Namen Johánnes) geschrieben ist:

 

vox mi-chi vox gra-ta ? li-ci-te hinc que be-nig-na vo-ca-ta

 

Es fehlt ein Buchstabe, ein 'e', so dass der Imperativ 'elicite' wird, also 'elicite michi' = 'entlockt mir' bzw. 'vox michi elicite hinc' = 'entlockt mir hier die Stimme'.

 

Macht insgesamt:

vox michi vox grata elicite hinc qve benigna vocata


Entlockt mir hier die Stimme, die liebliche Stimme, die ich Benigna (die Gütige) genannt werde!

 

Wirklich eine großartige und einmalige Inschrift!

 


© Kath. Pfarramt
29. November 2011