Gemeindefusion 2012 - Wissenswertes

Pfarrgemeinde am Dom
ZUM HEILIGEN KREUZ
Nordhausen am Harz



Allgemeine Information zur Strukturreform (Abschluss 2020)

 

Im Bistum Erfurt werden in diesem Jahr (Schritt 1) sieben neue Pfarreien gegründet:

  • Gotha

  • Erfurt-Nord

  • Sömmerda

  • Nordhausen

  • Arenshausen

  • Teistungen

  • Niederorschel

In den Jahren 2016 (Schritt 2) und 2020 (Schritt 3) werden die anderen Pfarreien in die Strukturreform eingebunden, wobei letztlich 32 von derzeit 74 Pfarrgemeinden existieren werden.

 

Besonderheiten dieser Strukturreform:

  • Betroffene Pfarreien (auch Nordhausen!) werden aufgelöst (keine Angliederung von kleineren Gemeinden) und anschließende Gründung einer neuen Pfarrei

  • Bildung von "Filialgemeinden neuen Typs" (in unserem Territorium Großlohra-Friedrichslohra und Bleicherode) mit Bildung der entsprechenden Filialgemeinderäte (FGR)
    Die FGR vertreten die Interessen der Filialgemeinden gegenüber der Pfarrei.

Mit der Gründung der neuen Pfarreien ab 1. Juli 2012 erfolgt auch die Bildung der "Filialgemeinden neuen Typs" im Bistum.

 

Der "Gründungsgottesdienst" für die Pfarrgemeinde Nordhausen (Pfarrei zum Heiligen Kreuz) ist auf den 8. Juli 2012 festgelegt. An den Feierlichkeiten  nehmen der Bischof Dr. Wanke oder der Weihbischof Dr. Hauke teil.

 

Am 2. September 2012 werden bistumsweit die Wahlen für die Kirchenvorstände, Pfarrgemeinderäte und gegebenenfalls Filialgemeinderäte stattfinden.

 


 

St. Matthias – ein weiterer „Neuankömmling“

 

Wenn am 8. Juli im Nordhäuser Dom die „Pfarrei zum Heiligen Kreuz Nordhausen“ feierlich (neu) gegründet wird, dann hat die Selbstständigkeit einer weiteren Pfarrei ihr Ende gefunden: St. Matthias Bleicherode stellt sich hier – nach St. Bonifatius Friedrichslohra – der Domgemeinde als „Neuankömmling“ vor.

 

In Bleicherode hat man einen Sinn dafür, Jubiläen zusammenzufassen und gemeinsam zu feiern. Am 25. August 1996 beging man gemeinsam mit Weihbischof Hans-Reinhard Koch gleich vier davon: 130. Jahres- tag der Kirchweihe der ersten Kirche; 125. Jahrestag der Niederlassung der „Grauen Schwestern von der hl. Elisabeth“; 100. Jahrestag der Bestätigung als Pfarrgemeinde und 90. Jahrestag des Baues des „St. Elisa- beth-Heimes“.

 



 

Warum dieser Rückgriff auf das Jahr 1996? Weil das „Werden und Vergehen“, das „Auf und Ab“ in Bleicherode offenbar schneller als in anderen Gemeinden aufeinander folgten. Das „St. Elisabeth-Heim“ gibt es heute nicht mehr. Es war bis 1999 das einzige Altersheim der Stadt mit 10 Plätzen. Die „Grauen Schwestern“ verließen 2003 die Stadt und die erste Kirche gab es 1996 immerhin noch als Gebäudetorso. Heute steht an dessen Stelle in der Mauerstraße ein schmuckes Einfamilienhaus.

 

Leser mit Langzeitgedächtnis werden sich darüber hinaus aber sicher wundern: Hatte man nicht schon 1965 „100 Jahre Pfarrgemeinde“ gefeiert?

Tatsächlich lässt sich das sowohl im „Tag des Herrn“ als auch in der Eichsfeldausgabe des damaligen „Thüringer Tageblatt“ von 1965 nachlesen. Die Erklärung: 1865 wurde in Bleicherode eine katholische „Missionsstation“ gegründet und der erste katholische Pfarrer seit der Reformation kam nach Bleicherode.

 



 

Da war wohl doch der Hl. Geist am Werke, denn Bleicherode, das unbedeutende Ackerbürgerstädtchen mit einigen Webereimanufakturen, entwickelte sich wenig später  durch die Vergrößerung der Webereien zu industrieller Fertigung und die Gründung des Kalibergwerks kommunal zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor, was durch den Zuzug von vielen Arbeitskräften auch für die Kirchengemeinden der Stadt bedeutsam wurde. Diesen beiden „wirtschaftlichen Standbeinen“, die es heute so nicht mehr gibt, ist übrigens auch in einem Fensterbild über dem Hochaltar der heutigen katholischen Kirche ein Denkmal gesetzt.

 

Zunächst aber hatte es 1865 sehr bescheiden mit einem kleinen „Betsaal“ und einer Pfarrwohnung in der Weberstraße Nr. 32, in einem etwas altertümlichen Gässchen, begonnen. Und hier lichtet sich das „Dunkel der Geschichte“ auch nicht mehr ganz. Denn im Nachlass eines verstorbenen, sehr akribisch arbeitenden Ortschronisten fand sich ein Foto mit dem Vermerk „Erste Wohnung des katholischen Pfarrers“, das zwar ein Haus in der Weberstraße, aber nicht die heutige Nummer 32 zeigt. Wurden eventuell Hausnummern neu geordnet? Die heutige Stadtverwaltung kann das weder bestätigen noch dementieren. Es gibt zu solchen Aktionen  keine Unterlagen, die 100 oder 150 Jahre zurückreichen.

Sicher ist aber, dass man eilig eine ehemalige Scheune in der Mauerstraße zu einer „Notkirche“ ausbaute, die 1866 geweiht wurde und bis 1908 Ort der Gottesdienste war. Dann wurde sie durch den Neubau der heutigen Kirche in der Burgstraße ersetzt, nachdem 1896 aus der Kirchengemeinde auch eine „staatlich anerkannte“ Pfarrei geworden war. Der heutige Hochaltar ist übrigens der dritte, den die Kirche in 100 Jahren hatte. 1983 wurde er von Bischof Dr. Joachim Wanke geweiht. Der Altarstein stammt aus dem Nordhäuser Dom und wurde durch einen örtlichen Steinmetz passend nachgearbeitet.

 

Ein weiteres Aufblühen der Kirchengemeinde gab es nach dem zweiten Weltkrieg durch den (unfreiwilligen) Zuzug von Katholiken, die aus Schlesien, Ostpreußen und dem Sudetenland ausgewiesen worden waren. 25 Jahre lang – von 1949 bis 1974 - konnten die gewachsenen Aufgaben nur noch mit einer „Doppel-besetzung“ mit Pfarrer und (wechselnden) Kaplänen bewältigt werden. Unvergessen auch die Gestaltung der Fronleichnamsprozessionen der 50-er- und 60-er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts, die sich über die Mauer- und Braustraße und den Stadtpark bis zum Breitscheidplatz entfaltete. Man konnte meinen, das Eichsfeld habe seine Grenze um 15 km nach Osten verschoben. Diese für Diasporagemeinden ungewöhn-liche äußere Gestaltung bestimmter Feste brachte vor allem auch den aus Schlesien und Böhmen stammenden Katholiken die freundlich-spöttelnde Bemerkung ein, sie seien nicht „römisch-katholisch“, sondern „böhmisch-katholisch“ und würden „nur vier Sakramente“ kennen: die Taufe, die Maiandacht, die Fronleichnamsprozession und die Beerdigung! Wie so eine „böhmisch-katholische“ Leichenfeier aussah, erlebte die Stadt allerdings nur einmal, als im März 1975 Pfarrer Johannes Schütz (ein Oberschlesier) zu Grabe getragen wurde: von der Kirche in der Burgstraße quer durch die Stadt bis zum Friedhof an der südlichen Stadtgrenze.

 

So steil, wie es mit der Gemeinde aufwärts gegangen war, so steil ging es dann auch wieder abwärts. In einer Eintragung von 1990 in der Pfarrchronik findet sich erstmals der bis dahin unbekannte Begriff „Arbeitslosig- keit“. Der Protest gegen die Schließung des Kaliwerkes war – wie später auch in Bi- schofferode - vergebens. Auch „NORTEX“ – die Webereien – gibt es nicht mehr.

 

Die Einwohnerzahl der Stadt ist gegenüber ihren „besten Jahren“ um rund ein Viertel gesunken. 1989 gab es in der Stadt sieben Kindergärten, aber nur ein Altersheim mit 10 Plätzen und eine Apotheke.

Heute gibt es zwei Kindergärten, aber zwei

große Seniorenheime mit 81 und 55 Plätzen, zusätzlich zwei Wohnanlagen für „Betreutes Wohnen“ und drei Apotheken.  Die Fronleichnamsprozession ist nicht mehr „böhmisch-katholisch“, auch nicht „eichsfeldisch-katholisch“; sie verlässt das Kirchengelände nicht mehr.  Aber die Ökumene wird heute mit noch etwas größeren Buchstaben als früher geschrieben. Sie war kein Fremdwort in der Stadt. Die „Grauen Schwestern“ waren auf Bitten von Bürgern jüdischen Glaubens nach Bleicherode gekommen, die bis zur Nazizeit einen überdurchschnittlich hohen Anteil an der Einwohnerschaft stellten. Die Anteilnahme des evangelischen Superintendenten Taube an der Hundertjahrfeier von 1965 war eindrucksvoll und nachhaltig und im evangelischen Kirchenchor von St. Marien gibt es „selbstverständlich“ auch katholische Mitglieder.

Selbst die TELEKOM zeigte hier eine „ökumenische Ader“: Im Telefonbuch von 1995 findet sich das damalige katholische St. Elisabeth-Heim der „Grauen Schwestern“ nur unter „Kirchen – evangelisch“…….

 

 

                                                                                                                             Eduard Seifert

                                                                                                                              (Großlohra)


 

Blicke weiten, Kreise schließen sich

 

Die Pfarrei Dom zum Heiligen Kreuz bekommt Zuwachs. Einer der Zuwächse ist die katholische Gemeinde in Friedrichslohra. Sie grüßt Nordhausen – oder grüßt Nordhausen Friedrichslohra?

Das Verhältnis der beiden Gemeinden ist nicht neu!


Die katholische Gemeinde Friedrichslohra mit der dortigen St. Bonifatius-Kirche gibt es seit 1777. Da gehörte der Ort zu Preußen und Nordhausen war eine „Freie Reichsstadt“. 20 Kilometer liegen zwischen den beiden Orten – aber die „gefühlte Entfernung“ war unter den damaligen politischen Verhältnissen weitaus größer.
 

Eine Kirche hatte man nun zwar in Friedrichslohra gebaut. Aber es gab in ganz Preußen keinen Bischof, der sie hätte einweihen können. 60 Jahre stand sie schließlich schon – die politischen und kirchlichen Verhältnisse hatten sich inzwischen geändert – da erinnerte man sich der noch fehlenden Weihe. Da nun kommt Nordhausen ins Spiel: Benediziert wurde die Kirche am 1. Oktober 1837 durch den Nordhäu- ser Dechanten H. Ludolph. (Ein eisernes Gedächtniskreuz für ihn befindet sich im Domgelände.) Ihm assistierte sein Kaplan Carl Brinckmann. Ein Bischof – der Paderborner Bekennerbischof Konrad Martin – kam erstmals am 3. Juli 1873 nach Friedrichslohra und konsekrierte die Kirche. Fast 100 Jahre hatte keine Firmung stattge- funden! Da ist es sicher reizvoll, einmal den 25. Juni 1949 daneben zu stellen: Auch das war ein Firmungstag mit gleich zwei Firmungen: nicht weniger als 90 Firmlinge in Friedrichslohra und – man lese und staune – 75 Firmlinge in Wolkramshausen, wo nun schon seit Jahr- zehnten kein katholischer Gottesdienst mehr stattfindet.
1300 katholische Flüchtlinge und Heimatvertriebene gab es zu jener Zeit im Gebiet der katholischen Gemeinde – das Mehrfache der „urkatholischen“ Einwohner!
 

 

Danach freilich ging es abwärts: 300 Katholiken gibt es – nach der Statistik – heute noch in der Gemeinde und den zugehörigen Dörfern. An der Teilnahme am Gottesdienst und dem Gemeindeleben ist das aber nur sehr selten abzulesen.

 

Friedrichslohra ist überdies die „Muttergemeinde“ von Blei- cherode. Am 23. Mai 1865 verselbstständigte sich die katho- lische Gemeinde Bleicherode, die bis dahin zu Friedrichslohra gehört hatte. Seit etlichen Jahren drehten sich die Ver- hältnisse wieder um: Friedrichslohra wurde zur Tochterge- meinde von Bleicherode.

Noch ein kleines Histörchen: Der 15. Weltpriester der Ge- meinde – Rudolf Kirchner – war nicht einfach Pfarrer der Ge- meinde, sondern führte 24 Jahre lang den etwas sperrigen Titel: „Administrator mit den Rechten und Pflichten eines Pfarrers“. Der Grund: Kirchner war Heimatvertriebener und heimatvertriebene Pfarrer blieben kirchenrechtlich formal Pfarrer der Gemeinde, aus der sie vertrieben worden waren. Sie konnten sich – mussten es aber nicht – in ihre neue Diözese „inkardinieren“ lassen.
Pfarrer Kirchner tat letzteres nicht, weil er meinte, dass er damit die Vertreibung legalisieren würde. Er blieb also (formal) in der Diözese Leitmeritz als Pfarrer von Kratzau (tschechisch: Chrastava) in Böhmen und konnte deshalb in Friedrichslohra „nur Verwalter“ sein.

Haben Sie bei der Hubertusmesse Ende Oktober im Dom die Chorgemeinschaft Großlohra/Trebra/Rüders- hausen gehört? Der erste (Ordens-)Priester, der am 23. November 1777 die Seelsorge in Friedrichslohra übernahm, war der Franziskaner Benignus Degenhardt – gebürtig aus Rüdershausen im heutigen Nieder-sachsen! Irgendwann schließt sich immer wieder ein Kreis.

Jetzt schließt sich der Kreis der im Umfeld der Domgemeinde liegenden Kirchengemeinden…..

                                                                                         

                                                                                                                               Eduard Seifert
                                                                                                                              
(Großlohra)

 

 


© Kath. Pfarramt
16. Februar 2012

Billder und Text: Eduard Seifert, Großlohra